2 April 2026

Wenn der Körper sich an früher erinnert

Alexander ist 35 Jahre alt.

Er arbeitet seit vielen Jahren in seiner Firma, ist zuverlässig, klug, engagiert. Jetzt bekommt er eine große Chance: Er soll die neue Marketing-Strategie präsentieren. Vor der Geschäftsführung. Vor Menschen, die über seinen möglichen Karrieresprung entscheiden.


Es ist eine dieser Situationen, in denen sich viel entscheiden kann.


Diesmal beginnt das Lampenfieber nicht erst am Tag der Präsentation.

Es beginnt schon vorher.


Zwei Wochen vor dem Termin schläft Alexander schlechter.

Zwei Tage vorher liegt er nachts wach.

Sein Herz schlägt schneller, obwohl er nur im Bett liegt.

Seine Gedanken drehen sich im Kreis.

Und immer wieder taucht das gleiche Bild auf:

Er steht vorne, verliert den Faden, alle schauen ihn an.


Seine Frau ist es schließlich, die zu ihm sagt:

„Versuch es doch mit der Klopfakupressur. Geh doch einmal hin.“BeispieltextBeispieltext

Alexander kommt noch vor der Präsentation zu mir in die Praxis, weil er merkt, dass er so nicht in diese Situation hineingehen möchte.

Wenn er an die Präsentation denkt, ist nicht nur Nervosität da.  


Das schnelle Herz.

Die feuchten Hände.

Der trockene Mund.

Die Angst, dass alle sehen, dass er unsicher ist.

Die Scham.


Wir beginnen mit der Klopfakupressur.

Und dabei steht immer eine einfache Frage im Mittelpunkt:


Was ist jetzt?

Welche Emotion ist jetzt da, wenn er an die Präsentation denkt?

Wo spürt er sie im Körper?

Wie stark ist sie jetzt gerade?


Wir beklopfen nicht lange Geschichten.


Wir beklopfen das Gefühl, das jetzt da ist.


Während des Klopfens erinnert sich Alexander plötzlich:

Dieses Gefühl kennt er.

Diese Angst.

Diese Scham.

Dieses Gefühl, vor Menschen zu stehen und nicht mehr weiterzuwissen.


Es ist das Gefühl von damals.

Von dem missglückten Biologie-Referat in der Schule.


Und so beklopfen wir Schritt für Schritt diese alten Emotionen, die heute noch in seinem Körper aktiv sind.

Nicht die Geschichte ist das Problem.

Sondern die Emotion, die im Körper geblieben ist.


Wir klopfen die Angst.

Wir klopfen die Scham.

Wir klopfen die Enge.

So lange, bis sich etwas verändert.

Bis der Körper merkt: Das ist vorbei.

Das ist nicht mehr damals.


Mit der Klopfakupressur können sich diese alten, gespeicherten Emotionen nach und nach auflösen.

Und wenn sich diese alten Emotionen lösen, passiert etwas Entscheidendes:

Man landet emotional im Jetzt.


Viele Menschen reagieren auf heutige Situationen mit Gefühlen von früher.

Nicht, weil sie schwach sind.

Sondern weil ihr System gelernt hat, sich zu schützen.

Doch wenn die alten Emotionen sich lösen, wird der Blick frei für die Realität von heute.

Zwei Tage später geht Alexander in seine Präsentation.

Nicht ohne Nervosität.

Aber ohne diese alte, zermürbende Angst.


Später schreibt er mir eine Nachricht:

„Alles super! Es war eine angenehme Nervosität. Ich war wach, konzentriert, präsent. Und als ich begonnen habe zu sprechen, war sie einfach weg.“


Vielleicht ist genau das der Unterschied:

Alte Angst macht eng.

Nervosität im Jetzt macht wach.


Und der Weg dorthin beginnt immer mit der gleichen Frage:

Was ist jetzt?